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Allgemein

Tencel® – die natürliche Alternative zu Polyester-Sportswear

Was ist Tencel®?

Die Naturfaser aus dem Hause Lenzing ist vielen sicher besser bekannt unter dem Namen Lyocell. Im Jahr 2000 erhielt die Firma Lenzing hierfür den Europäischen Umweltpreis für nachhaltige Entwicklung eines Materials, das durch seine besonderen Eigenschaften den meisten Kunstfasern bei weitem Überlegen ist.

Wie wird es hergestellt?

Für die Herstellung von Lyocell wird Eukalyptusholz verwendet, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und umwelttechnisch unbedenklich, da biologisch abbaubar, ist. Als erster Schritt findet eine Zerkleinerung der Eukalyptusbaumstämme zu sehr kleinen Stücken statt. Diese können somit eingeweicht werden damit sich der in den Hölzern enthaltene Zellstoff lösen kann. Der ausgetretene Zellstoff wird mit NMMO, einem ungiftigen Lösehilfsstoff, und Wasser verbunden. NMMO, oder N-Methylmorpholin-N-oxid wird industriell vorrangig für ebenjene Lyocell-Herstellung verwendet und kann aus der Faser bei Bedarf wieder vollständig entfernt werden und ist zusätzlich biologisch abbaubar. Der Cellulosemassse wird durch Erhitzen unter Vakuum das Wasser entzogen, bis sich eine sogenannte „Spinnlösung“ bildet, die gefiltert und durch Düsen gedrückt wird, bis schließlich in einem „Spinnbad“ die Lyocell-Fasern entstehen.

Welche Vorteile bietet Tencel® für die Textilproduktion?

Tencel®, oder Lyocell ist vor allem durch seine Feuchtigkeitsabsorption interessant für die Textilindustrie. So nimmt die Faser 50% mehr Feuchtigkeit auf als herkömmliche Baumwolle, von der Überlegenheit gegenüber Polyester-Fasern brauche ich wohl gar nicht erst anfangen. Zudem ist Lyocell durch die Speicherung des Wassers im Zellinneren und die schnelle Wiederabgabe der aufgenommenen Feuchtigkeit nach außen besonders hygienisch. Milben, die ein feucht-warmes Klima zur Verbreitung brauchen und lieben, haben bei Lyocell-Matratzen- oder –Bettbezügen kaum eine Chance. Bakterien wird nicht, wie bei herkömmlichen Textilien, durch einen Wasserfilm auf der Haut ein geeigneter Nährboden geboten. Es kühlt außerdem durch die Feuchtigkeitsregulation erstaunlich gut im Sommer und wärmt in kalten Stunden. Die Faser kann bei 60°C gewaschen werden und darf den Trockner auch von Innen sehen (auch, wenn wir von Upyama hiervon aus Gründen der Energieverschwendung ja sowieso abraten).

Welche Vorteile bietet die Faser für die Umwelt?

Nicht nur die oben genannten Faktoren machen Lyocell zu einer interessanten Alternative für Chemiefasern sowie auch für klassische Baumwolle. Auch aus ökologischer Sicht macht der Griff zu Tencel® für Konsumenten und Produzenten Sinn. Das Eukalyptusholz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Flächen in Südafrika, die für den Lebensmittelanbau oder die Viehzucht ungeeignet, weil zu trocken sind. Hinzu kommt, dass Eukalyptus um ein Vielfaches schneller wächst und also abgeerntet werden kann, als andere Hölzer und zusätzlich noch auf den Dünger verzichtet werden kann, der bspw. beim Baumwollanbau nötig wäre. Das Holz ist äußerst robust und auch genügsam, was seinen Wasserbedarf anbelangt. Künstliche Bewässerung ist bei Eukalyptus nicht notwendig. Somit entfällt auch die Kritik, die sonst der Baumwollfaser entgegengebracht wird, dass die lebensnotwendige Ressource Wasser für die Textilproduktion verschwendet würde. Außerdem ist der Ertrag an Fasern pro Quadratmeter bewirtschafteter Fläche um bis zu 6 Mal höher, als bei der Baumwollproduktion, was die Gesamtklimabelastung des Anbaus und der Verarbeitung der Pflanze noch einmal schmälert.

Was wird daraus bereits hergestellt und was wird zukünftig realisierbar sein?

Tencel® findet bspw. Verwendung bei der Herstellung von Allergiker-geeigneten Betten, Decken, oder von Bettwäsche. Die Firma Lenzing spricht auf ihrer Homepage außerdem die Möglichkeiten für Heimtextilien, wie Sofa- und Kissenbezüge, an. Außerdem sei es denkbar Feuchttücher und Windeln für Babys aus Lyocell zu fertigen. Eigentlich keine Überraschung bei dieser Saugfähigkeit. Der Einsatz für Sportkleidung, der mir sofort in den Kopf schoss, als ich von Tencel® hörte, wird ebenso hervorgehoben, wie die Möglichkeiten die faser in Denim-Produkte einzuarbeiten. So können feuchtigkeitsregulierende Jeansmodelle mit hohem Tragekomfort realisiert werden. Am meisten überrascht hat mich die Entwicklung von Tencel® C, einem kosmetischen Stoff – so die Hersteller – der den sogenannten ozeanischen Hautpflegekomplex Chitosan enthalte und gemeinsam mit der feuchtigkeitsregulierenden Wirkung der Lyocell-Faser vorzeitiger Hautalterung durch Austrocknung vorbeuge.

Lenzing geht mit seinen Produkten natürlich keinen Alleingang. Labels, wie aktuell H&M, oder The Woolmark Company spiegeln den weltweiten Erfolg des deutschen Naturfaser-Produzenten wieder. So wird sich zukünftig hoffentlich noch viel auf dem Sportswear-Markt in Richtung Naturfaser bewegen.

Bildquelle: @mingmang srilakorn / Fotolia.com

2Kommentare

  1. […] Jahren zu einem bekannten deutschen Label herangewachsen ist, setzt mittlerweile auf Hanf, Leinen, Tencel, recyceltes Polyester und natürlich Kork. Das Leder des 21. Jahrhunderts, wie es Bleed Clothing […]

  2. […] TENCEL®-Garn ist unser erstes eigenes Strickgarn und daher wollte ich vor der Bestellung von 500 kg wissen, ob […]

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