zurück zur Übersicht
Green Lifestyle

Wertebewusster Konsum

Ist wertebewusster Konsum nur ein Trend, der uns ein besseres Gewissen bringt?

Heute bin ich zufällig auf einen Artikel über das Buch von Wolfgang Ullrich „Wahre Meisterwerke“ Stilkritik einer neuen Bekenntniskultur“ gestoßen. Das Buch soll von der kritischen Meinung des Autors handeln, durch bewussteren Konsum erkaufe man sich das Gefühl ein besserer Mensch zu sein, ohne es aber wirklich aus Überzeugung zu leben.

Ich weiß nicht, wie es Dir dabei geht das zu lesen. Mich hat es emotional sehr aufgewühlt. Zum einen, weil ich mich und mein Handeln sofort hinterfragt habe, zum anderen, weil ich diese Meinung doch sehr provokant finde. Aber ich finde provokante Menschen hilfreich, um sich selbst zu beleuchten und um aus der eigenen Komfortzone heraus geschubst zu werden.

Wolfgang Ullrich schreibt „Das heißt, eigentlich wird uns geschmeichelt, dass wir gute Menschen sind, nur weil wir ein bestimmtes Produkt kaufen.“

Puh, der Satz hat bei mir gesessen.

Dazu kommt die Aussage „Wenn Sie viele solcher Produkte konsumieren, die Ihnen eigentlich ein gutes Gewissen machen, dass Sie sich wirklich als besserer Mensch fühlen und, ob Sie wollen oder nicht, anfangen, auch so ein bisschen einen Dünkel zu entwickeln, auf andere Menschen herabzublicken, die eben beim Discounter einen Billigtee kaufen.“

Ebenso spricht er von einem „Rebound-Effekt“, indem er unterstellt, man kaufe bsp.weise ein FairTrade-Produkt und nutze das als Ausrede, um an einem anderen Punkt weniger bewusst zu konsumieren. Man traue sich demnach in anderen Situationen mehr „Schlechtes“ zu und unterm Strich überwiege das Schlechte. Er sagt „weil man sozusagen den Positiveffekt überschätzt und deshalb sozusagen auch mehr Negatives sich wieder zu tun traut“.

Eines hat Herr Ullrich auf jeden Fall geschafft, eher sogar zwei Punkte:

1. Ich habe gründlich in mich hinein gehorcht, ob er Recht haben könnte.

2. Ich habe mir aus Neugier dieses Buch bestellt.

Nein, ich bekomme keinerlei Vermittlungsprovision oder ähnliches. Mich reizen allein diese Aussagen wirklich so sehr, dass ich die ganze Geschichte darüber lesen möchte.

Vor allem, weil ich mich nicht erst seit diesem Artikel ernsthaft immer wieder frage, weshalb ein wertebewusster Konsum nicht selbstverständlich ist und weshalb es so vielen (mich eingeschlossen) oft so schwer fällt, diese umwelt- und sozialvernichtende Komfortzone aus blindem Konsum ganz selbstverständlich ohne einen Mangel zu spüren zu verlassen.

Aus eigener Erfahrung der letzten Jahre weiß ich, dass dieser Schritt aus der Komfortzone nicht plötzlich geschieht, dass viele kleine Schritte notwendig sind, die häufig auch nicht unbedingt leicht sind. Genauso weiß ich aber auch, dass man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man nicht wieder zurück möchte. An dem es wirklich im Herzen und in der eigenen Überzeugung schmerzen würde, wenn man gedankenlos sinnlose (und damit meine ich nicht lebensnotwendige) Dinge konsumiert.

Die Frage nach dem Interview mit Wolfgang Ullrich, die mir aber an dieser Stelle im Kopf herum geistert, ist, ob ich das nun tatsächlich nur tue, um mich besser zu fühlen, um mein Gewissen zu beruhigen. Oder doch, weil es sich für mich einfach richtig anfühlt, weil ich gar nicht anders kann.

Mir ist durchaus bewusst, dass der Autor sich vor allem an die Marketingagenturen wendet, die Greenwashing gerade in der heutigen Zeit intensiv nutzen und damit sicher einen Trend in der Masse der Bevölkerung ausgelöst haben. Ich unterstütze ihn sehr in der Meinung, dass wirklich bewusster Konsum auch bewusst gelebt werden muss und nicht nur der FairTrade-Kaffee gekauft wird, weil man das jetzt eben so macht.

Doch wenn ich meinen eigenen Wertegang betrachte, dann ist bewusster Konsum alles andere als der leichte Weg, um sein Gewissen zu bereinigen.

Wie oft werde ich belächelt, wenn ich mit meinem Stoffbeutel aus dem Bioladen komme, wie oft wird die Nase gerümpft, wenn ich begeistert von meiner Menstruationstasse spreche. Und wie viele Sprüche durfte ich mir anhören, wenn ich kein Fleisch essen wollte. Wie viele Menschen haben sich wegen genau dieser Lebenseinstellung von mir entfernt. Aus meinem eigenen Empfinden heraus muss ich sagen, dass das kein einfacher oder bequemer Weg ist.

Ein anderer Punkt ist auch, dass mein schlechtes Gewissen eher zugenommen als abgenommen hat.

Kennst Du das? Jedes Mal, wenn ich Toilettenpapier kaufe, das in Plastik verpackt ist oder jedes Mal, wenn ich doch dem leckeren Feta in der Plastikverpackung nicht widerstehen kann. Jedes Mal ärgere ich mich eher darüber, dass ich nicht so konsequent sein kann und möchte, wie ich es der Umwelt eigentlich schuldig bin.

Oder argumentiere ich nun doch nur so in mir drin, weil ich mich von Wolfgang Ullrich ertappt fühle? Genau diese Frage kann ich mir nur beantworten, wenn ich sein Buch gelesen habe und auch erst dann werde ich Dir in einem ausführlicheren Blog über meine Erkenntnisse berichten.

Verzeih mir deshalb, wenn ich in diesem Blog viele Punkte nur kurz angerissen habe und sei gespannt auf den nächsten Artikel.

Schreibe einen Kommentar