zurück zur Übersicht
Allgemein

In eigener Sache: Ob Wurst, oder keine Wurst – Hauptsache Herta?

Fleischersatz für Veganer und Vegetarier im Upyama Blog veganes Leben

Ja sicher, es hätte ein einfacheres Thema sein können. Ein unverfänglicherer Einstieg für mich. Aber dieser Slogan, dieser Slogan, wie er da elefantengleich aus dem TV getrampelt ist – er hat mich nachdenken lassen.

Vegetarische Wurst

Die Rahmenbedingungen der Verkaufsoffensive für die nette Nestlé-Wurst sind mir nicht einmal mehr in Erinnerung (Wer schaut schon aktiv Werbespots?) aber die Quintessenz, die blieb: „auch wenn ihr jetzt mal auf vegetarisch-trendy macht, oder wenn eure Freundin plötzlich vor lauter Gewissen, oder wie das heißt, einen Weinkrampf vorm Wurstregal erleidet, auch dann könnt ihr gern weiterhin euer Geld bei uns lassen.“ Komisch, dachte ich mir. Erst Rügenwalder, dann Tillmanns, jetzt Herta. Der Trend ist ersichtlich, doch erschien mir das Ganze bislang eher als Versuch die Wechselwähler an der Wurst-Urne trotzdem ihr Kreuz bei den Konservativen setzen zu lassen.

Grundsätzlich begrüße ich jeden Versuch den Homo Sapiens in heterogenere kulinarische Gefilde zu locken, die bunte Vielfalt der Flora zu entdecken quasi. Aber Tönnies und Nestlé, die sich des Tierschutzdeckmantels bedienen? Com‘ on! Kaum ein ethisch moralisch motivierter Vegetarier oder Veganer wird hier ins (Tief-)Kühlregal greifen.

Warum Herta heute auch Nestlé gehört

Aber war da nicht mal wer? Ja, irgendein ehemaliger Wurst-Chef schwirrt mir im Kopf rum. Einer der sich abgewandt hat, vor Ekel? Ran ans Tablet (Phänomen ,second screen‘ lässt grüßen), ich tippe und mache mich schon auf eine längere Suche gefasst, als bereits nach der ersten kryptischen Suchanfrage der Volltreffer aufploppte – Karl-Ludwig Schweisfurth heißt er. Der Mann dem die Schweine jetzt wieder vertrauensvoll den Rücken kehren können, ohne befürchten zu müssen in der nächsten Sekunde auf einem Schlachttransport zu landen. Gut, das machen jetzt andere bei Herta und er macht das irgendwie auch noch, nur „achtsamer“, aber das sei erst mal dahingestellt. Herr Schweisfurth, einst Kopf des europaweit größten Fleischproduzenten, jetzt Biobauer aus Überzeugung und Vegetarier, wenn er nicht gerade zu Hause is(s)t, skandiert in einem Interview mit dem Umweltmagazin der taz, dem zeo2, dass er „die Schnauze voll“ habe. 1984 verkaufte er das Unternehmen an Nestlé, nachdem er es nicht mehr ertrug seine Schweine verhaltensgestört vorzufinden. Schweisfurth sorgte dafür, dass auch hierzulande Fließbänder in den Wurstproduktions-Prozess integriert wurden. Schneller, höher, weiter. Die Gewinne setzten ihn, seine Arbeiter und vor allem die Tiere unter Druck, bis er sich dafür entschied auf biologische Landwirtschaft umzusatteln. Da Herta zu dieser Zeit aber 10 Betriebsstätten umfasste, so sagt Schweisfurth, sei die Umstellung des Gesamtunternehmens nicht möglich gewesen. Er beschloss also neu zu beginnen.

Karl-Ludwig Schweisfurth sagt heute von sich selbst kein Fleisch mehr zu essen, solang er nicht weiß von wo es stammt. Sprich zu Hause packt ihn doch das ein oder andere Mal die Fleischeslust. Das ist für mich auch völlig nachvollziehbar und ebenso ein Schritt in die richtige Richtung, aber den Gedankengang Schweisfurths, trotz der Chance eines Neuanfangs nach dem Verkauf an Nestlé und trotz des angeblichen Aha-Erlebnisses, erneut in die Tierausbeutung einzusteigen, kann ich nicht rekonstruieren. Ist es wieder die Verklärtheit unserer Gesellschaft in Hinblick auf die Selbstverständlichkeit des Fleischkonsums? Oder gibt Schweisfurth bloß vor das Tierwohl in sein Moralzentrum gerückt zu haben?

Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst

Er behauptet es ginge ihm mit seinem Bio-Hof nicht mehr um’s Geld. Natürlich sagt sich so etwas leicht, nachdem man gerade einen milliardenstarken Betrieb an einen Multi wie Nestlé abgetreten hat. Und wenn wir einmal genau hinsehen mag es ihm vielleicht nicht um das Geld gehen, aber erwirtschaften tut er es mit seinen mittlerweile 120 Mitarbeiter umfassenden Herrmannsdorfer Landwerkstätten trotzdem. Jedoch ist und bleibt Karl-Ludwig Schweisfurth Deutschlands Bio-Pionier und hat zumindest seinen Beitrag geleistet, um einen achtsamen Umgang mit unseren Nutztieren von der Nische in die Mitte der Gesellschaft zu treiben. Demgemäß sei ihm auch der Abverkauf seines Buches „Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst…“ vergönnt. Aber, wie alles im Leben, hat auch dieses Werk zwei Seiten (eigentlich 232). So findet sich auf der Rückseite des Einbandes die Fortsetzung des Titels: „…wenn er nicht genau weiß, wo es herkommt, und wie das Tier gelebt hat.“ Da ist sie wieder, die Fleischeslust. Schweisfurth kann nicht ohne und es sei ihm auch gestattet. Und ich glaube mein nächster Beitrag trägt den Titel „Warum ,ich kann nicht‘ eigentlich ,ich will nicht‘ heißen sollte“. Ich allerdings werde diesen bitteren Geschmack nicht los. Es schmeckt so falsch, fast wie vegetarische Vurst…

Bildquelle: @HandmadePictures / Fotolia.com

3Kommentare

  1. Great, thanks for sharing this forum topic.Much thanks again. Bowan

  2. […] ist es aber noch wichtig regional zu kaufen? Viele große Lebensmittelhersteller, Fleischfabriken etc. versuchen durch den ansteigenden Trend der gesunden Ernährung und auch der vegetarischen […]

  3. […] Der Mensch geht nicht wirklich achtsam mit der Erde um. Ich wäre dafür dass man den hohen Fleischkonsum reduziert. Damit würden wir schon viel […]

Schreibe einen Kommentar