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Allgemein

Green Fashion?

Grüne Shirts gibts doch auch von Primark oder doch nicht?

Fashion, oder die Mode ist in unseren Köpfen unbestreitbar mit Schnelllebigkeit, Vergänglichkeit, Oberflächlichkeit verbunden. Es steht für etwas, ob jetzt Kleidung hin oder her, das den aktuellen Geschmack einer Gesellschaft(-sgruppe) trifft. So ist Mode aber auch immer eine Art Gewohnheit. Wir alle kennen wohl solche Beispiele, in denen wir kopfschüttelnd unsere Abneigung einem neuen Trend gegenüber kundgetan haben, um im nächsten Moment auf eben jener Welle mit zu reiten. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?! Das trifft es ganz genau, oder eben auch nicht. Denn auch dieses Adenauer-Zitat verdeutlicht sinnbildhaft die Oberflächlichkeit diverser Moden. Es ist gang und gäbe mit diesem geflügelten Wort des ehem. Bundeskanzlers seine politische Wankelmütigkeit zu untermauern. Doch sprach sich Konrad Adenauer für etwas ganz anderes aus. Weiter heißt es: „nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Und genau das soll uns Anlass sein Green Fashion und damit Modelabels einmal näher zu beleuchten, die sich auf die Fahnen geschrieben haben langlebiger, nachhaltiger und sinnhaft zu produzieren. Wir wollen euch hierbei bewusst ein Street- und ein High-Fashion-Label vorstellen.

Was ist Green Fashion?

Der Zusatz Green ist breit auslegbar. So existieren verschiedenste Ansprüche, die sich Designer und Hersteller auferlegen – teils einzeln, teils als eine Art Allround-Paket. Fair gehandelte Rohstoffe, umweltfreundliche Herstellung ohne Chemikalien, Biologische Materialien, tierleidfreie Produktion, nachhaltiger Umgang mit den nötigen Ressourcen, wie bspw. Wasser.

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Was ist grün und was nicht?

Zusätzlich haben viele Labels noch den Anspruch an das eigene Produkt, so wenig wie möglich CO2-Ausstoß zu verursachen und bestehen deshalb auf der inländischen Herstellung und einem Vertrieb der Waren über möglichst digitale, bzw. zumindest direkte Wege. Auch innerhalb der Green-Fashion-Unternehmen wird oftmals das Credo „Fairness“ gelebt, indem Arbeiter beschäftigt werden, denen es neben der Arbeit auch noch möglich sein soll ein glückliches Familien- und Privatleben zu führen. Stellenweise wird in diesen Betrieben durch einen „grünen Arbeitsplatz“ sogar sozial benachteiligten Menschen eine (zweite) Chance geschenkt, die es sonst in unserer prozessoptimierenden Gesellschaft eher schwer gehabt hätten auf dem klassischen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden.

Konventionelle Marken setzen in der Regel auf sehr niedrige Produktionskosten, planen im Gegenzug dafür aber ein horrendes Budget für Marketingausgaben ein. Die Masse zählt hier. Grüne Mode wiederum lebt genau vom Gegenteil: hohe Produktionskosten stehen einem geringen Marketingbudget gegenüber. Sicher mag hierfür, im Falle des noch recht neuen Trends der Green Fashion, auch eine Erklärung in wirtschaftswissenschaftlichen Lebenszykluskonzepten zu finden sein. Doch bin ich nicht davon überzeugt, dass sich im Laufe der nächsten Jahre das Blatt wenden wird und Eco-Labels plötzlich nach strikter Kostenminimierung wirtschaften, bloß weil sie nun über die nötige „Reife“ verfügen. Ohne Rücksicht auf ihre grünen Grundsätze? Nein! Demnach wird das Motto der Green Fashion stets sein: buy good, buy less! Der Appell an uns Konsumenten ist denkbar einfach. Kaufe überlegt gut ausgewählte Teile in einer überzeugenden Qualität und du wirst lange Freude daran haben und dein Geld bspw. für leckeres gesundes Essen ausgeben, oder spenden können. Wäre, ja wäre da nur unsere Psyche nicht, die doch viele von uns zu regelrechten Fashion Victims macht und die hohen Marketingbudgets der Großen zu rechtfertigen scheint. Aber auch hierfür gibt es Lösungen aus der Green Fashion Szene. Es ist ja nicht so, dass Grüne Mode den völligen Verzicht predigt. Wie wir unsere Modeliebe mit der Konzentration auf stilsichere Key-Pieces auch auf ökologischem Weg befriedigen können? Lies weiter!

Bleed Clothing – Street Fashion aus Kork

Das 2008 in Berlin gegründete Label unter Geschäftsführer Michael Spitzbarth war sich schon immer sicher, dass der Markt für umweltfreundlichere und nachhaltigere Materialien groß ist. Bio-Baumwolle stellt deshalb schon länger nicht mehr den einzigen Rohstoff dar, der die Ansprüche der bewussten Kunden bedienen soll. Das Familienunternehmen, das gänzlich ohne Investoren in den letzten Jahren zu einem bekannten deutschen Label herangewachsen ist, setzt mittlerweile auf Hanf, Leinen, Tencel, recyceltes Polyester und natürlich Kork. Das Leder des 21. Jahrhunderts, wie es Bleed Clothing auf ihrer Homepage nennen, ist ein Material, das vereint was kaum ein anderer Rohstoff kann: Es schadet weder Tier, Natur, noch Mensch. Mit der Montado-Black-Edition, einer crowdfunding-finanzierten Kollektion, wird das strapazierfähige Naturprodukt in edlem Schwarz in Szene gesetzt. Key-Piece ist hier eine komplett aus schwarz gefärbtem Kork bestehende Lederjacke für Herren sowie für Damen. Das Design der Kollektion ist progressiv, modern, pur gehalten. Neben den Korklederjacken finden sich Gürtel, Portemonnaies und Shirts mit Korktasche für je knapp 40 Euro. Sicher wäre die Bandbreite ausbaufähig, aber bemerkenswert ist die Grundidee hinter der Korkkollektion: einen Rohstoff zu verwenden, der in seiner Beschaffenheit und Umweltfreundlichkeit einzigartig ist, und daraus Kleidung über einen Weg herzustellen, der jeglichen Gesetzen der klassischen Garment-Produktion (Stichwort: Crowdfunding) widerspricht. Das Bestreben von Bleed Clothing ein Material zu nutzen, das Leder ersetzen kann ohne dabei andere Rohstoffe, wie Rohöl zu verschwenden, trifft definitiv den Zeitgeist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Familienunternehmen die Korkprodukt-Palette derzeit kräftig ausbaut.

Kork Korkeiche Rinde
Kork Korkeiche Rinde

Honest By. – High Fashion 100% transparent

Ein ähnlicher Leitgedanke, aber doch einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt Bruno Pieters, belgischer Designer und Schöpfer von Honest By. Das Label verspricht seinen Kunden seit 2012 das weltweit erste 100%ig transparente Unternehmen zu sein. Tatsächlich kann man auf www.honestby.com seine Auswahl filtern, je nachdem auf was man Wert legt. Soll mein Kleid vegan, bio, hautfreundlich, aus recyceltem Material, aus Europa, oder doch alles zusammen sein? Bei Honest By. hat der Kunde die Gelegenheit High Fashion Produkte von namhaften Designern zu erstehen, die hierfür mit dem Label eine Kollaboration eingegangen sind. Das Sortiment ist breit gefächert und reicht von Kleidung für Sie und Ihn, über Schuhe, Taschen, bis hin zu Accessoires. Finanziell wird dem Käufer natürlich einiges mehr abverlangt, als beim Label Bleed Clothing. Angefangen bei Accessoires ab 30,00 € reicht die Preisspanne bis zu mehrere tausend Euro teurem Schmuck – aber vegan! Die Philosophie von Honest By. ist es der Welt und den Menschen auf ihr Rechnung zu tragen, schöne Mode zu vertreiben, die auf eine ebenso schöne Weise hergestellt wurde. Das Label möchte den Einfluss ihrer Produkte auf die Umwelt so klein wie möglich halten und dem Kunden dabei helfen seine Entscheidung für bewusstes Einkaufen auch bewusst umzusetzen.

Augen auf bei der Kleiderwahl

Wir konnten euch hoffentlich einen kleinen Einblick davon verschaffen, wie vielfältig Grüne Mode sein kann. Natürlich muss es nicht gleich die vegane Designer-Tasche für das Monatsgehalt eines Durchschnitts-Deutschen sein, aber mit ein bisschen Recherche finden sich in vielen Shops wahre grüne Schätze aus besonderen Materialien, oder mit besonders kleinem ökologischen Fußabdruck. Die Botschaft ist klar: wir müssen umdenken bei der Kleiderwahl, sollten uns dabei aber realistische Ziele setzen, um nicht schon am Anfang zu scheitern. Ein Schritt nach dem anderen.

Bildquellen: @ kir_prime, @okunsto  – fotolia.com

4Kommentare

  1. […] bieten jungen und etablierten Designern aus den Bereichen Möbel, Wohnaccessoires, Mode und Schmuck eine Plattform, auf der sie auf interessiertes Publikum […]

  2. […] neue FashionLabel Enna Style thematisiert ein derzeit pulsierendes Thema: Slow Fashion, Sustainability und Grüne Mode. Zugehörig zur TRIAZ Group und dem Umweltversand Waschbär stellen […]

  3. […] ist ein kleines, zauberhaftes Wesen, welches wir auf SlowFashion für Klein und Groß, Accessoires und in Form von Kinderbüchern bzw. Kurzgeschichten in die Welt […]

  4. […] habe mich im Studium mit Nachhaltiger Textilproduktion auseinandergesetzt und dann im Anschluss an der Greenpeace Detox Kampagne und im Vertrieb für […]

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