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In eigener Sache: Osterfeuer

Osterfeuer - veganer Blog

Meine eher mäßig erblühten Osterzweige, geschmückt mit allerlei bunten Eiernachbildungen stehen noch auf dem Tisch, obwohl sie zugegebenermaßen längst auf den Kompost gehören würden. Rein deko-technisch haben sie ihren Dienst ja auch getan: Ostern ist vorbei. Ostern, das für die Christen heiligste aller Feste, feiert die Auferstehung Jesu Christi, der den Tod überwand. Das Ei ist zu Ostern allgegenwärtig, wie Christus selbst, steht es doch für neues Leben, für Wiedergeburt und Auferstehung. Das Osterfeuer wiederum stellt keine derart alte Tradition dar, wie das schmücken und verschenken von Eiern. Erst im 16. Jh. ist dieser Brauch wohl entstanden. Häufig werden diese Feuer an Abenden des Karsamstags, oder des Ostersonntags entzündet. Doch in einigen Gegenden Deutschlands findet diese Volkssitte gar erst am Ostermontag statt.

Osterfeuer in Lohne

So auch in Lohne, im Landkreis Vechta in Niedersachsen, wo um die Mittagszeit das Osterfeuer entzündet wurde. Bereits am Freitag wurde, um den Brandschutzvorschriften Rechnung zu tragen, die Produktion weitestgehend stillge… moment… Produktion? Wo fand dieses Feuer denn genau statt?

Auf dem Gelände des Geflügelproduzenten Wiesenhof? Da habe ich wohl fast etwas durcheinandergebracht. Kein Osterfeuer war es, was da die Menschen aufmerken ließ, nein, ein Großbrand im Schlachthof. Kurz vor 13 Uhr am 28. März 2016 brach in zwei Hallen des Konzerns das Feuer aus. Noch Stunden später breitete sich das Feuer weiter aus, anstatt von den teilweise 520 Einsatzkräften eingedämmt zu werden. Am Dienstagmorgen ist das Feuer endlich unter Kontrolle. Lebende Tiere seien dem Brand nicht zum Opfer gefallen, da wie bereits angedeutet, die Produktion vorübergehend eingestellt wurde. Einem Ausbau der Kapazitäten des Betriebs stimmte im März erst die Gewerbeaufsicht zu. Nach diesem soll es Wiesenhof möglich sein täglich 430.000 anstatt aktuell 370.000 Hähnchen zu schlachten.

Weitere Zwischenfälle beim Geflügelproduzenten

Wiesenhof-Mast- und Schlachtanlagen sind bereits früher nicht nur wegen ihrer Tierrechtsschutzverletzungen in die Medien geraten. 2015 erregte ein Großbrand in den Schlachtanlagen im bayerischen Bogen die Aufmerksamkeit der Presse. 250.000 Hähnchen mussten im Zuge dessen auf andere Produktionsstätten umquartiert werden und zudem wurde dem Konzern Brandstiftung vorgeworfen, was jedoch zeitig entkräftet wurde. Die völlig niedergebrannte Betriebsstätte soll in diesem Herbst wieder seine Tore öffnen und die aufgrund des Brandes vorläufig entlassenen Mitarbeiter wieder einstellen wollen.

2013 gab es zudem in Rietberg einen Ammoniak-Unfall, bei dem vier Menschen verletzt wurden. 2011 brannte es in Lohne schon einmal mit einem Gesamtschaden, der in die Hunderttausende reichte. 2008 ging außerdem ein weiterer schwerer Ammoniak-Unfall auf das Lohener Geflügelschlachter-Konto. Hierbei gab es 37 Verletzte.

Wen trifft die Schuld?

Ganz klar: den Konsumenten. Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Frankreich auf Platz 2 der Länder, die am meisten Eier konsumieren. (Auch wenn Wiesenhof im nun Folgenden außen vor bleibt, so ist der Sachverhalt durchaus adaptierbar.) So manch einer mag sich an dieser Stelle als völlig anteilslos an vorliegender Statistik fühlen, isst er doch nicht einmal täglich ein Ei, doch vergessen wir viel zu oft in welchen Produkten mit Eiern gearbeitet wird, ohne dass es uns gleich entgegenspringt. Vor allem in industriell (vor-)gefertigter Nahrung finden sich nicht selten Eizusätze, zumal hierzulande keine Deklarationspflicht für eine Zutat in Endprodukten besteht, die aus weniger als 25% dergleichen bestehen (was meiner Ansicht nach nicht wenig ist). Die teils kryptischen Bezeichnungen auf der Produktrückseite, die die Zugabe von Ei verraten, sind vielfältig. Während der Verbraucher bei Worten, wie Vollei, Eiklar oder Eipulver ganz klar aufhorcht, lenken Begriffe, wie Lecithin, E322, Stabilisatoren oder Emulgatoren, oder auch tierisches Eiweiß den Blick vom Wesentlichen.

Sicher, in Deutschland ist mittlerweile das Ei das Bio-Produkt schlechthin. Selbst Otto Normal-Konsument greift bei seinem Wochenendeinkauf zu der 6er-Packung BioBio-Eier, weil ihm die miserablen Haltebedingungen für eierlegende Hennen in den Legebatterien durchaus ein Begriff sind. Aber dass auch bei der Fertigsuppe, oder dem Campari in seinem Wagen Eier enthalten sein könnten, die unter solch schlechten Umständen „produziert“ wurden, das ist ihm nicht bewusst.

Geht es auch ohne Ei?

Die Lösung des Problems liegt nah: Wir schließen Eier aus unserer Ernährung aus. Das mag nicht leicht sein, sind sie doch in so vielem enthalten, was unseren Alltag so einfach zu machen scheint. Doch wer sich mit dem Tierleid, das mit unserer westlichen Überflussgesellschaft einhergeht, auseinandersetzt, der kommt über Kurz oder Lang nicht an ernährungsbedingten Fragestellungen vorbei und merkt, wie gesund und lecker Selbstgemachtes ist. Wer braucht schon wirklich diese Tütensuppen? Hat sich der konditionierte Gaumen erst einmal wieder an Produkte ohne Geschmacksverstärker gewöhnt, merkt man schnell den frappierenden Unterschied. Hierbei sei der Stolz auf das erste selbstgebackene Brot, das man aus dem Ofen holt, noch gar nicht erwähnt. Es braucht das Ei auch nicht in Omas Kuchen. Nährstofftechnisch ist so ein Ei auch für Veganer leicht zu ersetzen.

Mehr dazu findet ihr aber bald hier, oder unter unseren Rubriken „Food Rezepte“ und „Ernährung“.

Bildquelle: @Torbz / Fotolia.com

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