zurück zur Übersicht
Allgemein

Manilahanf – Textilien aus Bananenfasern

Ihr merkt sicher, dass wir bei Upyama total fasziniert von der Vielzahl an Alternativen zu konventionellen Baumwoll- oder Lederprodukten sind. Deshalb kann ich nicht anders, als euch heute noch eine tolle Faser vorzustellen, die aus Pflanzenresten gewonnen wird und somit Tierleid und Ressourcenverschwendung minimiert. An sich ist die Bananenfaser nichts neues, greifen doch schon seit dem 19. Jahrhundert Hersteller von Schiffstauen zur Abacá, wie sie in ihren heimischen Gefilden Ostasiens genannt wird. Der Beiname Manilahanf, nebenbei recht irreführend, hat die Abacá doch nichts mit Hanf gemein, leitet sich vom für die Bananenfaser wichtigsten Hafen ab, der sich in der Hauptstadt der Philippinen befindet. Neben der Abacá wird aber auch stellenweise aus den uns bekannten Bananen und deren Stauden die Textilfaser hergestellt.

Wie werden aus Bananenstauden Bananenfasern?

Die Nutzpflanze Abacá trägt keine genießbaren Früchte. Die Faser wird demnach nicht aus den zurückgeschnittenen Stauden, wie bei der Banane, sondern aus den Blättern gewonnen. Diese wachsen beim Manilahanf zu ca. drei bis vier Meter hohen Scheinstämmen zusammen mit einem Durchmesser bis zu 30 cm, die dann „gefällt“ werden, um an die Blattscheiden der langen Abacá-Blätter zu kommen. Die bis zu 8 cm breiten sogenannten „Tuxies“ werden längs – teils von Hand, teils mit der Maschine – herausgetrennt, vom übrigen Blatt befreit und unter der Sonne ausgebreitet zum Trocknen und Bleichen. Sie erreichen Längen bis zu 70 Zentimetern. Die allgemeine Nutzungsdauer der Pflanze liegt bei maximal 15 Jahren. Während dieser Zeit kann alle 18 bis 24 Monate, immer während der Blütezeit, geerntet werden.

Die gebleichten Tuxies können in vier verschiedene Sorten eingeteilt werden, je nach Qualität des Strangs. Als „Bandala“ werden die äußeren, braun bis purpurfarbenen Stängel bezeichnet, die eher hart und schwer zu verarbeiten sind. Sie werden daher eher für die Schiffstauherstellung verwendet. Darauf folgt eine etwas feinere Faser: „Lupis“. „Tupoz“ ist die Faser mit den für die Textilproduktion optimalen Eigenschaften – nicht zu fest und hell in der Farbgebung. Als „Werg“ werden Faserabfälle bezeichnet, die dann noch in der Papierherstellung Verwendung finden. Aus ihnen wird unter anderem das berühmte Manilapapier aus einem zuvor gewonnenen Zellulosebrei hergestellt.

Die geeigneten Fasern werden vor dem Transport zum weiterverarbeitenden Textilproduzenten zu Garn versponnen und auf Rollen aufgewickelt. Der weitere Weg der Bananenfaser ist dann natürlich abhängig vom Endprodukt.

Was zeichnet die Naturfaser aus?

Der Name Manilahanf kommt nicht von ungefähr. Abacá ist äußerst reißfest und eher grob in der Beschaffenheit und deshalb eigentlich schwer zu spinnen. Durch ihre gute Salzwasserresistenz ist sie aber hervorragend für die Schiffstau-Herstellung geeignet. Manilahanf ist schwimmfähig und verrottet außerdem nur sehr langsam. Eine konventionelle Baumwollfaser verfügt lediglich über ein Drittel der Stärke einer Abacá-Faser. Auch Sisal schlägt die Abacá mit der Doppelten Stärke und auch den Namensgeber Hanf hängt sie ab.

Welche Produkte sich aus Bananenfasern herstellen lassen und wo ihr sie bekommt

Neben Schiffstauen ist die Abacá natürlich auch für die Herstellung von Fischernetzen und allerlei anderen nautischen Garnen geeignet. Hängematten, Schnüre, Säcke, Bindfäden oder Kabelhüllen sind außerdem realisierbar. In der Heimtextilherstellung findet die Abacá zusätzlich einen Großabnehmer. Sofabezüge, Vorhänge, Tapeten, Deckenplatten, Markisen, Teppiche und Matten sind sehr gut mit Manilahanf umzusetzen. Auch Drachenseil, Staubsaugerbeutel, Teebeutel, Papier und sogar Banknoten (Japan) sind aus der Abacá herstellbar. Beim Recherchieren bin ich sogar auf ein selbstklebendes Montageband gestoßen, dass vor allem für den künstlerischen Einsatz gedacht zu sein scheint. So wird es als hervorragend geeignet für die Montage von Drucken und Graphiken, oder die Reparatur von Büchern beschrieben. Zu guter Letzt soll hier die Verwendung in der Kosmetikherstellung nicht außer Acht gelassen werden. Hierbei finden Enzyme, die aus der Abacá gelöst wurden, ihren Weg in Cremes und Co.

Die Textilindustrie hat schon Taschen, Körbe, Schuhe und andere Accessoires auf den Markt gebracht. Feinere Teile sind mit Mischungen aus Abacá und bspw. Piña, einer Ananasfaser, die du bald auch hier im Upyama-Blog näher kennenlernen kannst, machbar. Accessoires aus Bananenfasern findest du oftmals bei Dawanda. Viele Marken haben aber auch immer mal wieder ein Abacá-Produkt in ihrer Kollektion. Die Hut-Marke Stetson zum Beispiel bietet eine ganze Reihe von Modellen aus Manilahanf – Monsoon Accessorize ebenso, hier jedoch eher für die Damenwelt. Generell lässt sich aber bislang eher schwer Kleidung finden, die aus der Bananenfaser besteht.

Welche Produkte sind zukünftig mit Bananenfasern realisierbar?

2005 hat das Handelsblatt getitelt, dass Bananen Mercedes Coupés schützen. Gemeint ist hier eine Kooperation zwischen Rieter Automotive und Daimler-Chrysler, die einen Verbundstoff aus Polypropylen-Thermoplast und unserer Bananenfaser entwickelte. Dieser wurde als Unterbodenschutz eingesetzt mit dem Ziel Steinschlagschäden zu vermeiden und gleichzeitig Gewicht und somit Kosten zu reduzieren. Durch den Einsatz des Manilahanfs können so bis zu 60% Energie bei der Herstellung des Bauteils eingespart werden im Vergleich zur Glasfasersvariante.

Auch wenn in diesem speziellen Fall die Absichten des Fahrzeugherstellers weniger ökologischer Natur waren ist doch der Bereich der Verbundwerkstoffe ein zukunftsträchtiger Markt für die Abacá. Ihre Festigkeit und Witterungsbeständigkeit machen es zu einem idealen Material für Carbon-Mischungen bspw. zur Fahrradrahmen-Herstellung. Das verringerte Gewicht ist dabei natürlich der offensichtlichste positive Nebeneffekt für den Konsumenten.

Im textilen Bereich sind der Kreativität der Designer allerdings durch das robuste Material aktuell noch Grenzen gesetzt. Denkbar wäre jedoch trotzdessen zumindest ein rein optischer Einsatz in Form von Verzierungen, Labels, oder anderen Applikationen. (Bspw. gibt es ein Fahrradschloss, bei dem Abacá um ein Stahlseil gewickelt wurde. Die Optik ist hier eindeutig der einzige Einsatzgrund für die Bananenfaser. Warum also nicht auch für die Textilproduktion nutzen?) Die Forschung tüftelt aktuell an einem Verfahren, das durch spezielle Gerbung der Manilahanf-Fasern eine höhere Geschmeidigkeit erreicht. Ich bin gespannt.

Bildquelle: @paleka / Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar