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In eigener Sache: aufgeklärter Absolutismus

Denise in eigener Sache

Der aufgeklärte Absolutismus herrscht wieder in Deutschland. Es muss so sein, denn wieso sonst finde ich mich in mancher Stunde, zu mancher Gelegenheit fassungslos ob der deutschen Sitten und Gebräuche wieder? Natürlich rede ich nicht von der europäischen Herrschaftsform des 17. und 18. Jahrhunderts. Wie könnte ich, waren hier doch Reformen und Toleranz charakteristische Züge der damaligen Zeit. Ich meine schlichtweg den von Missmut und Rüpelhaftigkeit geprägten Umgang mit individuellen Lebenseinstellungen.

Ziehe ich das jetzt durch?

Soll ich wirklich bloggen, über veganes Leben und Green Lifestyle? Das können doch so viele so viel besser als ich. Bestimmt! Ich mein, das interessiert mich schon wahnsinnig und wieder mal was mit dem Kopf fertig zu bringen, das wäre auch mal wieder schön. Aber in so einer kleinen Stadt wie meine eine ist… Ich hör sie schon reden: „Wie verlogen ist das denn bitte: beim Modeschweden arbeiten und dann Fairness predigen? Und Labels vorstellen, die Leder verarbeiten? In einem veganen Blog. Geht’s noch?! Dass die jetzt umweltschonende Herstellungsmöglichkeiten entwickeln hin oder her, die denken das nicht zu Ende und bekommen mit ihrer halbherzigen Idee jetzt auch noch eine öffentliche Plattform durch diese Vegetarierin. Nicht mal selbst vegan ist sie. Will sie wieder werden steht da. Mir egal. Erzählt MIR hier was von keine Tiere essen. Ohne mich, ich lass mir meine Bratwurst erst dann nicht mehr schmecken, wenn mir Morrissey persönlich „Meat is Murder“ vorsingt.“

Das Streben nach Glück

Ja, so ging es mir im Hirn rum, tagelang, bis sich Platon und Aristoteles in den Tiefen meines Geistes die Hände reichten – die Erkenntnis. Es reicht nicht aus zu denken ich wäre ein guter Mensch. Ich muss auch danach handeln. Ob nun aristotelisches Streben nach Glück, oder aber (Will) „Smith’sches Pursuit of Happyness“, die Botschaft ist klar. Ich werde für und mit Upyama bloggen. Jawohl! Ich möchte niemand mehr sein, der wegschauen kann, der sich mit dem Ist-Zustand zufrieden gibt. Ich möchte jemand sein, der Schritte nach vorne honoriert, der lobt und hilft den zweiten Fuß noch hinterher zu setzen. Bis in die Haarspitzen motiviert. Das wird was! Ran an den Speck…?

Deutschland, was ist dein Problem?

Ran an den Speck? Denise…mit welchen Platituden-Geschützen wirst du in deinen Beiträgen denn sonst noch auffahren? Da ist es doch schon wieder, der Zweifel. Wo ist die Erkenntnis hin? War sie nicht eben noch so fest, in sich ruhend vor Optimismus? Der Zweifel hat sich eingenistet, ein harter, allumfassender, fast schon Cartesischer Zweifel (heute klingelt es den alteingesessenen Moralphilosophen aber in den Ohren). Woher rührt der? Ich sage euch, es ist dieser aufgeklärte Absolutismus. Jeder weiß etwas, Internet sei Dank, viele wissen alles, und das auch noch meistens besser als alle anderen. Das ist moderner aufgeklärter Absolutismus.

Muss es immer ganz oder gar nicht sein?

Das Internet ist voll mit Menschen, die anderen die Freude am individuellen Streben nach Glück nehmen, indem sie argumentieren die Strebenden hätten sich ihr Streben nicht verdient, weil sie eben noch nicht glücklich seien. Die Logik hier scheint verschleiert, legt man sie aber wie eine Blaupause auf unser Beispiel des veganen Blogs, ist sie Abbild der alltäglichsten aller Alltagsszenarien aus bspw. Kommentarspalten unter Zeitschriftenartikeln. Es wird demnach immer Menschen geben, die genau aus dem Grund gegen das Betreiben eines veganen Blogs, der andere und den Blogger selber motivieren soll, sind, weil der Blogger selbst erst auf dem Weg zum Ziel „veganes Leben“ ist. Dabei ist es völlig irrelevant, dass der Kritiker meist selbst Fleischesser aus Herzenslust ist. Die eigene Unzulänglichkeit genügt gänzlich, um in den Rang des allmächtigen Kritikers erhoben zu werden. Dass hierdurch Träume brechen können, Existenzen scheitern, das wird oft vergessen, hier im weltoffenen Deutschland, der Republik der Missgünstler – zu Hause bei Freunden.

1 Kommentar

  1. […] Ähnlichkeiten binden und sichern ganz nebenbei seit Jahrmillionen das Überleben. Mein Beitrag zum aufgeklärten Absolutismus befasst sich zufällig mit der gleichen Missgunst-Thematik. Ich als passiver Revoluzzer muss also […]

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