zurück zur Übersicht
Allgemein

Anne Reis – Cardamonchai

Heute im Interview Anne Reis. Anmerkung der Redaktion: Nach dem Lesen dieses sensiblen, starken Interviews fällt es uns sehr schwer das alles in 3 Sätzen zusammenzufassen. Lest am besten selbst wie Begegnungen berühren, Menschen verändern und das Leben einfach Leben schreibt.

Wann hast du gegründet?

Mein Blog „Anne bloggt cardamonchai“ hat offiziell 2008 das Licht der Welt erblickt. Allerdings schreibe ich schon seit ich denken kann alles auf, was mich bewegt. Früher in Notizbüchern und auf Blöcken, später dann bei MySpace und Co. und heute eben im Blog.

Was produzierst, entwickelst, schaffst du?

Ich blogge zu allen Themen, die mich bewegen. Das können Konzertberichte sein oder Interviews mit Menschen, die mich beeindrucken, aber auch Aufklärungsartikel zu den Themen Tierschutz und vegan, vegane Rezepte, Gedichte oder Kurzgeschichten. Sehr gerne poste ich auch Fotostrecken von den Ausflügen und Touren, die ich gemeinsam mit meinem Mann Matze unternehme. Vor einiger Zeit sind jetzt auch noch DIY-Anleitungen und Produkttests dazu gekommen. Besonders die DIY-Anleitungen machen mir sehr großen Spaß.

Flugfähiges Nadelkissen


Warum bist du ein MACHER?

Als Macherin würde ich mich bezeichnen, weil ich in meinem Leben immer weitergemacht habe, auch wenn ich immer wieder in ausweglos erscheinende Situationen gekommen bin. Ich habe sehr häufig die Schule gewechselt und habe das Thema am Ende aus Mangel an persönlichem Anschluss ziemlich schnell durchgehechelt. Im Anschluss habe ich eine Lehre in der Modebranche angefangen, die ich auch komplett durchgezogen habe. Danach habe ich die verschiedensten Stationen durchlaufen. Einige davon auch „nur“, um Geld zu verdienen und nicht arbeitslos dazustehen und dazu stehe ich heute auch.

Wenn ich keine Stelle gefunden habe, habe ich eben auch mal Jobs angenommen, die für andere gar nicht erst in Frage kommen würden. Während meiner Zeit in einer Fabrik für Autoteile habe ich zum Beispiel wunderbare Erfahrungen gemacht, was die Zusammenarbeit von völlig unterschiedlichen Charakteren angeht, die ich heute auf keinen Fall missen möchte. Diese Phasen haben mich sicher auch bestärkt, immer weiter zu machen und dabei das eigentliche Ziel, als Redakteurin zu arbeiten,  nie aus den Augen zu verlieren. Auch wenn es noch so weit entfernt war. Das war schon immer mein Traum und daran habe ich immer festgehalten.

Wie kam es dazu?

Ich bin da Schritt für Schritt reingerutscht. Vor rund 10 Jahren arbeitete als Verkäuferin bei einer großen Bäckereikette. Über Freunde lernte ich eine Frau kennen, die gerade Ihre Zeit als Werkstudentin in einem kleinen Verlag verbrachte. Damals war das noch ein Startup, heute gehören die zu einem richtig großen Medienkonzern. Ich erzählte ihr von meinem Lebenslauf und meinem Traum verbunden mit der Unmöglichkeit mit meiner Ausbildung an eine bezahlte Stelle in diesem Bereich zu kommen. Sie machte mir den Vorschlag, mich doch als Medienberaterin zu bewerben. Das hatte zwar zunächst nicht viel mit redaktioneller Arbeit zu tun, wäre aber ein Einstieg in die Verlagswelt für mich gewesen. Ich schob also alle Zweifel von mir, ignorierte die Anforderungen (abgeschlossenes Studium etc.) in der Stellenanzeige und gab ihr meine Mappe mit. Naja, einen Monat später verkaufte ich über das Telefon Anzeigen und PR-Texte für den Verlag. Schnell kamen dann kleinere Reportagen und Artikel auf dem zugehörigen Online-Portal dazu und ich konnte meine Kunden vor Ort besuchen und meine PR-Berichte selbst schreiben. Der erste Schritt war damit getan.

Nach weiteren Stationen landete ich schlussendlich bei einem großen Fachverlag, bei dem ich als Online-Marketingmanagerin eingestellt wurde. Dort wurde mir vorwiegend freie Hand gelassen. Ich konnte mich in das komplette Thema Online-Marketing mit allen dazugehörigen Komponenten einarbeiten und habe auch so gut wie alles ausprobiert. Ein großer Schwerpunkt war dort ein Blog, das ich für Betriebsräte ins Leben rief und fortan täglich aktuell bespielte. Aufgabentechnisch kamen Facebook, Twitter und Co. dazu, bei mir die Berufsbezeichnung Online-Redakteurin. Während meiner Zeit dort habe ich schon angefangen nebenbei für ein großes veganes Online-Lifestylemagazin zu arbeiten, was ich auch heute noch tue. Meine Ressorts dort sind „Hamburg vegan“, „Kosmetik“, „Musik“ und „DIY“. Inzwischen hat sich meine Arbeit ein Bisschen rumgesprochen und es sind auch schon ein paar andere Aufträge hinzugekommen. Es war eine lange, harte Zeit da hinzukommen und ich freue mich, dass es voran geht!

 Selbstgenähter Umschlag XXL-NadelkissenWas macht Dein Produkt einzigartig?

Anne bloggt cardamonchai ist deshalb einzigartig, weil es so vielseitig ist. Entgegen aller Regeln habe ich mich dagegen entschieden, mich nur auf ein Thema zu spezialisieren. Am Anfang bringt einem das nicht unbedingt viele Klicks ein.  Doch mir war es wichtiger, authentisch zu bleiben, als nur eine bestimmte Gruppe Menschen mit meinen Inhalten abzuholen. Für mich ist meine Seite eine persönliche Sammlung aus Ideen und Gedanken. Kennst Du Frederik die Maus? Er wandert den Sommer über herum und sammelt Farben ein, an denen er sich im Winter erfreut. So ähnlich stelle ich mir das mit meinem Blog vor. Ein buntes Sammelsurium. Am liebsten nenne ich es „Mein anspruchsvolles Frauenmagazin“.

Doch, wenn Du von Produkt sprichst, meinst Du sicherlich nicht nur mein Blog. Du hast mich ja über eine gemeinsame Freundin angeschrieben. Sie selbst stellt in liebevoller Handarbeit Mützen mit Tierschutzstatements her. Ich habe sie über eine vegane Gruppe in einem großen sozialen Netzwerk kennengelernt und ein Interview mit ihr gemacht. Außerdem liefert sie mir immer wieder Fotomaterial von Tierschutzaktionen. Sie ist diejenige, die mich ermuntert hat, von meinen genähten Sachen zu erzählen.

Schon seit einiger Zeit lasse ich mein liebgewonnenes, leider viel zu lange vergessenes Hobby wieder aufleben und nähe. In den letzten Wochen habe ich einige Kleinigkeiten an andere Blogger und Freunde verschickt, die sehr gut angekommen sind. Erst diese Woche hat sie ein „Flugfähiges Nadelkissen“ von mir bekommen. Es ist ein Prototyp, mit dem ich gerne in Serie gehen möchte. Ihr hat das Kissen so gut gefallen, dass sie gleich die Werbetrommel gerührt hat und ich freue mich sehr, dass ich so positives Feedback bekomme! Derzeit ist ein DaWanda-Shop in Arbeit, allerdings steht bis jetzt nur das Profil. Gegen Herbst soll es dann mit meinen Artikeln bestückt werden. Am Anfang Nadelkissen und später sollen dann auch Kosmetikbeutel dazukommen, vielleicht auch noch andere schicke Kleinigkeiten.

Einzigartig sind diese Produkte deshalb, weil sie von mir in Handarbeit hergestellt werden. Jedes Stück ist ein Unikat und mit Liebe gefertigt. Ich suche die Stoffe aus, die Garne und das Füllmaterial, schneide meinen Schnitt aus uns setze mich hin und nähe. Mir selbst gibt die Zeit, in der ich nähe, sehr viel Kraft. Ich merke richtig, wie ich ruhiger werde und sich ungute Gedanken verflüchtigen. Diese Energie versuche ich in meine Stücke zu stecken und an alle, die sie verwenden weiterzugeben.

Wie sieht ein klassischer Tag bei Dir aus?

Ein typischer Tag beginnt immer mit Kaffee. Meistens bereitet den mein Mann zu und wir trinken ihn dann gemeinsam. Wenn er dann ins Büro fährt, setzte ich mich an den Rechner und bearbeite meine Aufträge. An manchen Tagen kann es sein, dass ich gleich mehrere Artikel fertigstelle, an anderen bin ich nur mir Recherche oder Social Media Aktivitäten beschäftigt, das ist ganz unterschiedlich. Zwischendurch geht es dann raus auf einen Kaffee oder zum Laufen und dann wieder an den Rechner. Und gegen Nachmittag/frühen Abend wird dann an die Nähmaschine gewechselt.

Alles in allem läuft mein Tag inzwischen in sehr geordneten Bahnen, was mir sehr wichtig ist. Ich brauche immer einen festen Rahmen, an den ich mich halten kann. So habe ich mir zum Beispiel für jedes Projekt einen eigenen Redaktionsplan angelegt, den ich immer Punkt für Punkt abarbeite, damit mir auf keinen Fall etwas durchrutscht. Besonders wichtig ist mir auch immer, alles pünktlich abzugeben und nicht in Zeitverzug zu kommen. Dadurch entsteht nur unnötiger Druck, den ich mir mit ein Bisschen Organisation gut ersparen kann. Außerdem kann ich je früher ich fertig werde ja auch an meine Nähmaschine und das ist für mich immer eine kleine Belohnung. Am Abend kochen mein Mann und ich dann gemeinsam und essen gegen 19 oder 20 Uhr. Manchmal gehen wir auch essen, in Hamburg gibt es ja viele tolle, vegane Lokale. Wichtig ist es uns, den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Welche Herausforderungen sind die größten denen sich die Menschheit in den kommenden Jahren stellen muss?

Die Menschheit sollte endlich die Augen öffnen und erkennen, was der stetig steigenden Fleischkonsum mit unserem Planeten anrichtet. Die Schlachthöfe werden immer größer, das Fleisch immer billiger. Dabei wird anscheinend komplett verdrängt, dass für die Unmengen an Futter, die die Tiere zum Leben benötigen, jeden Tag extrem große Waldflächen abgeholzt werden, Tiere und Menschen werden aus ihren Lebensräumen vertrieben, es kommt zu Hunger, Krankheiten und Leid. Von der Klimaerwärmung und den Umweltkatastrophen, die damit einhergehen, ganz zu schweigen. Wenn wir nicht endlich aufwachen und aufhören, Tiere zu schlachten und zu essen, hilft uns auch kein Hybridauto mehr.

Ein zweites wichtiges Thema ist heute mal wieder brisanter als je zuvor: Wir müssen endlich erkennen, dass wir alle gleich sind! Nur weil man in einem bestimmten Land wohnt, bedeutet das nicht, dass man Anspruch darauf hat. Wir alle haben Vorfahren, die aus aller Herren Länder stammen. Keiner ist „nur deutsch“ oder „nur türkisch“ oder „nur japanisch“. Keiner sollte dem anderen etwas streitig machen. Eine vielfältige Gesellschaft ist immer und in jeder Hinsicht eine Bereicherung.

Besonders wichtig ist mir auch, dass die weltweit leider nach wie vor weitverbreitete Homophobie endlich aufhört. Leider scheint das noch ein langer Weg zu sein. Wie kann das sein? Wir leben im Jahr 2016! Wenn man sich verliebt, verliebt man sich. Da ist doch das Geschlecht egal! Ich verliebe mich doch nicht in ein Geschlecht, sondern in eine Person!

Welche Herausforderungen sind die größten denen Du Dich persönlich stellen musstest?

Herausforderungen kommen und gehen. Immer wenn man vor einer steht, denkt man sich, dass ist die größte, der ich mich jemals stellen musste. Sie können positiv oder negativ sein. Eine der größten positiven Herausforderung in meinem Leben bis jetzt war sicherlich, dass ich vor ziemlich genau einem Jahr gemeinsam mit meinem Mann mit Sack und Pack ans andere Ende der Republik gezogen bin. Eine Entscheidung, die ich noch keine Sekunde bereut habe.

Dieses Interview ist auch eine positive Herausforderung. Für mich ist das etwas ganz Neues und irre Spannendes, ein Interview mal aus der Perspektive des Interviewten zu erleben. Und ich muss sagen, es macht mir großen Spaß. Eine schöne Erfahrung, die ganz unverhofft kam!

Was willst du unbedingt 1x im Leben machen?

Was das angeht, führe ich keine Liste, die ich nach und nach abhake. Ich habe schon einige schöne Dinge gemacht, viele davon waren ganz spontan. Ich muss jetzt wirklich überlegen, aber wenn ich mir etwas aussuchen dürfte, würde ich gerne einmal richtig lange im Pazifik schwimmen.

Was tust du nur für dich?

Wie ich schon erwähnt habe, nähe ich für mein Leben gerne. Auch das Bloggen gibt mir einiges zurück. Ich fotografiere leidenschaftlich gerne und probiere da auch viel aus. Gerade erst habe ich sogar meine ersten Bilder verkauft! Außerdem fange ich gerade an, ein Bisschen zu malen, das macht mir sehr viel Freude! Eigentlich alles, bei dem ich etwas erschaffen kann.

Dein ultimativer Tipp für Entspannung und einen stressfreien Tag?

Am besten verbringt man den auf einem Festival!

Was ist dein Lebensmotto?

„Alles beginnt mit dem richtigen Text!“

Was ist der Rat an deine Kunden?

Bis jetzt habe ich keine Kunden, aber wenn ich welche hätte, würde ich ihnen raten, den Tag zu genießen!

Was ist der Rat an deine Nicht-Kunden?

Schaut Euch mal in meinem Shop um, wenn er fertig ist und bis dahin könnt Ihr Euch die Zeit mit Anne bloggt cardamonchai vertreiben (lacht).

Bist du eher Typ Panorama-Rundweg oder Klettersteig?

Auf jeden Fall Panorama-Rundweg. Da kann ich nach Herzenslust Fotos machen, Vögel beobachten und in aller Ruhe das Wetter und die Aussicht genießen!

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Bewusst zu konsumieren, auf unnötige Verpackung zu verzichten, auf den Planeten zu hören und endlich aufzuhören, andere Lebewesen auszubeuten.

5 Wörter oder Begriffe die im Kontext mit dir und eurer Lebensphilosophie stehen?

  • Grün
  • Text
  • Bild
  • Musik
  • Basteln

Hast du eine Firmen – oder Produktbeschreibung? Dann ist hier Platz dafür:

Anne Reis lebt mit ihrem Mann in ihrer gemeinsamen Wahlheimat Hamburg. Sie schreibt schon seit frühester Kindheit.

Ihr Blog cardamonchai.com ist für sie eine persönliche Sammlung aus Artikeln, Interviews und anderen Texten. Thematisch möchte sie dabei bewusst frei bleiben. Rezepte, DIY-Anleitungen und Kosmetiktests sind daher genauso auf der Seite zu finden, wie Fotostrecken, Tagebuchseiten und Konzertberichte.

Das Thema Ernährung interessierte sie schon sehr früh. Mit elf wurde sie Vegetarierin und seit Juni 2014 lebt sie vegan. Dabei sind ihr die  Würde der Tiere und der Klimaschutz besonders wichtig. Dass sich ihre Gesundheit durch ihre Ernährungsumstellung schlaghaft verbessert hat, ist für sie ein angenehmer, positiver Nebeneffekt

Das Schreiben ist für sie schon längst nicht mehr nur ein Hobby. Heute arbeitet sie als freie Redakteurin für verschiedene Online- und Offline-Magazine.

cardamonchai-share-banner

Name:          Anne Reis
Firma:         Anne bloggt cardamonchai
Branche:     Freie Redakteurin, Bloggerin & Texterin
Website:      http://cardamonchai.com
Adresse:      Hamburg
E-Mail:         info@cardamonchai.com

1 Kommentar

  1. […] nur das wo du voll dahinter stehst. Verbiege dich nicht. Sage das was du denkst und fühlst. Sei Authentisch. Wir haben nur ein Leben und es gibt kein zweites danach. Lebe dein Leben und nicht das Leben eines […]

Schreibe einen Kommentar